Fonds verkaufen: gute Gründe und schlechte Gründe

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The Ghost of Elvis
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Fonds verkaufen: gute Gründe und schlechte Gründe

Beitrag von The Ghost of Elvis »

Zitat von morningstar:

Gute Gründe .... fundamentale Veränderungen im Fonds. Sie haben den Fonds zum Beispiel gekauft, um in Small Caps investiert zu sein, aber aufgrund der Vermögenswerte wurde er in Mid Caps umgeschichtet. Manchmal sehen wir auch, dass ETFs ihre Strategien komplett ändern. Das können zum Beispiel steigende Gebühren sein. Also irgendeine wichtige fundamentale Änderung, die dazu führt, dass der Fonds nicht mehr den Zweck erfüllt, für den Sie ihn gekauft haben. Vielleicht ist es dann an der Zeit, zu verkaufen......
dass der Fonds über mehrere Zeiträume hinweg wirklich nicht das tut, was Sie erwartet haben. Dann denkt man, okay, vielleicht habe ich mich von Anfang an geirrt, und jetzt ist es an der Zeit zuzugeben, dass ich einen Fehler gemacht habe: Das ist es, was gute Investoren tun. Sie erkennen, dass sie nicht perfekt sind, und sie halten nicht bis an ihr Lebensende an einer Investition fest. Sie erkennen an: Okay, ich habe einen Fehler gemacht, lassen Sie uns weitermachen......

und zitat von morningstar:
Schlechte Gründe .... der klassische Anfängerfehler eines Anlegers. Der Markt ist um 20% gestiegen, und Sie haben einen Fonds, der nur um 10% gestiegen ist, oder der Markt ist um 5% gesunken und Ihr Fonds ist um 10% gefallen, so etwas in der Art. Sie sind unglücklich, aber der Haken ist, dass die kurzfristige Performance größtenteils ein Rauschen ist. 8)
Selbst die besten Anleger haben Phasen, in denen sie eine unterdurchschnittliche Performance erzielen.
Typischerweise haben Fonds eine Sektorausrichtung. Vielleicht auch eine Stilausrichtung. Das bedeutet, dass sie manchmal besonders günstig oder manchmal ungünstig liegen. Das ist die langfristige Wertentwicklung. Sie sagt uns etwas über die Fähigkeiten des Managers aus.
Einer der klassischen Fehler ist es, aufgrund der kurzfristigen Wertentwicklung zu verkaufen..... :(
viel besser, sich auf die eigenen Pläne zu konzentrieren, sich an seinen Plan zu halten und geduldig zu sein, als zu versuchen, viele kurzfristige makroökonomische Entscheidungen zu treffen.....

:shock: guckst du auch hier : TI Thread Rendite der Anleger hinkt der ihrer Fonds hinterher

+ ti thread: wenn ein langfristig bewährter Top-Fonds schwächelt

GEDULD ist das Zauberwort :)

zitat oegeat: Alles wird besser, man muß nur warten können. :)
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Fondsfan
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Re: Fonds verkaufen: gute Gründe und schlechte Gründe

Beitrag von Fondsfan »

Man kann natürlich auch sagen ...

..
GEDULD ist das Zauberwor, mit dem unfähige Manager ihre Kunden
weiter bei der Stange halten und Gebühren kassieren.

In diesem Forum ist doch wohl keiner so naiv, die Performance
von Fonds unterschiedlicher Konzeption zu vergleichen.

Für mich ist es ein guter Grund zum Verkauf, wenn ein Fonds
ca. ein Jahr lang deutlich unter seiner Vergleichsgruppe bleibt.
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lloyd bankfein
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Beitrag von lloyd bankfein »

zitat von morningstar:
Schlechte Gründe .... der klassische Anfängerfehler eines Anlegers. Der Markt ist um 20% gestiegen, und Sie haben einen Fonds, der nur um 10% gestiegen ist, oder der Markt ist um 5% gesunken und Ihr Fonds ist um 10% gefallen, so etwas in der Art. Sie sind unglücklich, aber der Haken ist, dass die kurzfristige Performance größtenteils ein Rauschen ist. 8)
Selbst die besten Anleger haben Phasen, in denen sie eine unterdurchschnittliche Performance erzielen.
Typischerweise haben Fonds eine Sektorausrichtung. Vielleicht auch eine Stilausrichtung. Das bedeutet, dass sie manchmal besonders günstig oder manchmal ungünstig liegen. Das ist die langfristige Wertentwicklung. Sie sagt uns etwas über die Fähigkeiten des Managers aus.
Einer der klassischen Fehler ist es, aufgrund der kurzfristigen Wertentwicklung zu verkaufen..... :(
viel besser, sich auf die eigenen Pläne zu konzentrieren, sich an seinen Plan zu halten und geduldig zu sein, als zu versuchen, viele kurzfristige makroökonomische Entscheidungen zu treffen.....

leider schreibt Morningstar nicht, wie sie kurz und langfristig definieren
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Fondsfan
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Re: Fonds verkaufen: gute Gründe und schlechte Gründe

Beitrag von Fondsfan »

Bei dieser Diskussion fällt mir immer der TGF ein, dessen
Management es trotz jahrelanger miserabler Performance
geschafft hat, sehr viele Anleger bei der Stange zu halten,
immer mit plausibel klingenden Begründungen.

Ich gehöre nicht zu den Opfern dieses geschickten Marketing,
aber ich habe die damaligen Rechtfertigungen als Warnungen
verinnerlicht.
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The Ghost of Elvis
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Beitrag von The Ghost of Elvis »

zitiert aus dem finanzenzero-newsletter :
......
Verkaufen - fast nie
.......
Thomas Phelps, einer der vielleicht klügsten Investoren des 20. Jahrhunderts, hat dieses Prinzip bereits 1972 in seinem Buch „100 to 1 in the Stock Market“ dokumentiert. Er analysierte Hunderte Aktien, die aus einem eingesetzten Dollar mindestens hundert Dollar gemacht hatten – und kam zu einem spannenden Schluss: Die wichtigste Zutat war nicht Intelligenz, kein MBA, kein Bloomberg-Terminal. Es war die Bereitschaft, eine Aktie durch jede Marktphase hindurch zu halten. Sein Credo lautet bis heute: „Buy right and hold on.“ Kaufe das Richtige, und lass es in Ruhe. Der Investor Chris Mayer hat diese Arbeit 2015 für das digitale Zeitalter aktualisiert und eine Datenbank mit 365 US-Aktien aus dem Zeitraum 1962 bis 2014 ausgewertet, alle mit einem Mindest-Börsenwert (Market Cap) von 50 Millionen Dollar. Das Ergebnis: Die Muster sind verblüffend konsistent.
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Phänomen hat sogar einen Namen: den Dispositionseffekt (die Tendenz, Gewinne zu früh zu realisieren und Verluste zu lange zu halten). Die Verhaltensökonomie, das Forschungsfeld, das menschliches Entscheidungsverhalten an Märkten untersucht, erklärt ihn mit einem noch grundlegenderen Mechanismus: Verluste werden psychologisch doppelt so stark empfunden wie gleichhohe Gewinne. Das heißt: Ein Kursverlust von 1.000 Euro schmerzt stärker, als ein Kursgewinn von 1.000 Euro Freude bereitet. Diese kognitive Verzerrung lässt uns überreagieren und oft zum falschen Zeitpunkt handeln.
.....
Im Jahr 2024 erzielte der durchschnittliche Aktieninvestor eine Rendite von 16,54 %. Klingt ordentlich, oder? Der 👉S&P 500 (der bekannteste amerikanische Leitindex, der die 500 größten US-Unternehmen abbildet) legte dagegen um 25,02 % zu
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Die DALBAR-Forscher beschreiben es so: Wer mehr Aufwand betrieb, erzielte weniger Ertrag. Besonders schmerzhaft war die Timing-Schwäche im dritten Quartal 2024: Anleger zogen ausgerechnet in diesem Quartal das meiste Geld aus Aktienfonds ab – kurz bevor eine kräftige Rally einsetzte. Der klassische Fehler: Aussteigen bei schlechten Nachrichten, einsteigen, wenn alles gut läuft.

Die Morningstar-Studie „Mind the Gap“ (Betrachtungszeitraum 2018 bis 2023) bestätigt dieses Muster auf Fondsebene: Anleger investieren typischerweise erst dann, wenn die Kurse bereits deutlich gestiegen sind, und steigen aus, wenn es ungemütlich wird. Die Konsequenz: Die tatsächlich erzielte Rendite liegt systematisch unter der Rendite des Fonds selbst, den sie halten. :shock:
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